High School USA - Besuch unserer Partner

Nächsten Montag geht es los und ich freue mich, endlich wieder Partner zu treffen, die inzwischen schon Freunde geworden sind und die, die ich bislang nur von E-Mails und vom Telefon kenne. Ich nehme euch mit auf meine Reise von Chicago über Boston, New York und Washington bis hin nach Florida.

12.10.09 Gerade in Chicago gelandet und schon stand ich vor der Johns College Preparatory School in Mitten der Stadt. Es war gar nicht so einfach hier her zu kommen, weil in der Stadt tüchtig was los ist und viele Straßen abgesperrt sind. Heute ist Columbus Day, ein Feiertag in den USA und alle Schulen sind geschlossen. Ich bin froh, dass Eugene Lockhardt, zuständig für die Betreuung der internationalen Schüler, heute eine Bandprobe mit einigen Schülern hatte und mir darum alles zeigen und erklären konnte. Eine College Preparatory School bereitet, wie der Name schon sagt, mit verschiedenen sehr anspruchsvollen Kursen (AP) auf den Übergang ins College vor. Wer diese Kurse belegt, kann sich die dafür anerkannten "Credits" (Punkte) am College anerkennen lassen. Obwohl die meisten von euch daran kein großes Interesse haben, ist es jedoch ein Zeichen dafür, dass ihr an einer solchen Schule nicht unterfordert sein werdet.

Ebenfalls in Chicago, jedoch in einer etwas ruhigeren Gegend liegt die Saint Gregory the Great High School. Leider hatte ich dort weniger Erfolg und hatte keine Möglichkeit, die Schule von Innen zu sehen. Dennoch erfährt man einiges, wenn man mal ein wenig durch die Straßen läuft, sich die Distanz zu den nächsten Einkaufsmöglichkeiten ansieht usw. ich hatte einen sehr guten Eindruck. Die Häuser sahen alle ordentlich und gut gepflegt aus, man hatte ein sicheres Gefühl und zu Fuß sind es vielleicht 10 Minuten zu der Hauptstraße mit vielen Restaurants und Geschäften. Man hat also Großstadtflair und Vorstadtidylle in einem.

Chicago war einfach nur gigantisch. Neben New York sicherlich die eindrucksvollste Stadt der USA, die ich bislang gesehen habe. Ich konnte mir richtig vorstellen, wie Al Capone damals die Strassen unsicher gemacht hat. Ich sag nur eines - sehr cool!

Von Chicago aus fährt man ca. 1,5 Stunden zur La Lumiere School, ein Internat in La Porte in Indiana. Die Schule liegt mitten in einem Wald und direkt an einem See. Mit knapp 250 Schuelern ist sie sicherlich eine der kleineren Schulen, verfuegt daher aber auch über eine sehr individuelle Betreuung und wirkt sehr idyllisch.

14.10.09 So nun habe ich Chicago schon hinter mir und bin heute frueh in Boston gelandet. Ich sitze gerade in der Bibliothek von Arlington und treffe dann gleich den Direktor der Arlington High School, Mr. Skidmore und hoffentlich auch einige meiner Schueler, die gerade dort ein Semester oder sogar Schuljahr verbringen. So Schule angesehen und Anna und Julien getroffen. Beide scheinen sehr glücklich zu sein und bestätigten mir, dass die Schule durchaus anspruchsvoll ist. Anna wurde gleich zu Anfang gleich in 4 AP Kurse (die ich oben schon erwähnt habe) gesteckt, was ihr dann aber wohl zu viel wurde und sie zwei gegen leichtere Kurse tauschen musste/ wollte. Müsste ich alleine durch die Schule laufen, würde ich mich zunächst sicherlich ab und an verlaufen. Sie ist wirklich groß, bietet darum aber auch sehr viele Kurse in den unterschiedlichsten Niveaus an. Arlington ist ein wirklich netter Ort mit freundlichen Menschen, schönen Häusern und allem was man braucht.

Nun mache mich auf zur Burr & Burton Academy in Manchester, Vermont, die ca. 4 Autostunden von Boston entfernt liegt.

15.10.09 Wow, das war eine Fahrt. Ich dachte schon, ich komme nie an. Kurvige Straßen im Dunkeln ist nicht so mein Ding aber ich habe es ja geschafft. Belohnt wurde ich mit meinem ersten Lobster. Das hat sich also gelohnt. Manchester und die umliegenden Orte, scheinen in den Wintermonaten sehr touristisch zu sein. Es gibt sehr viele Hotels und Restaurants. Es ist aber auch wirklich unglaublich schön dort. Vor Ort habe ich Andrea Thulin getroffen, die sich um die Unterkunft in Gastfamilien, Problemen in Kursen und sonstige Belange der internationalen Schüler kümmert. Die Schule besteht aus dem ursprünglichem alten Schulgebäuden und zwei neuen Unterrichtsgebäuden. Dazu kommen eine sehr gut ausgestattete Bibliothek mit einer tollen Aussicht und eine moderne Sporthalle. Momentan ist eine GLS Schülerin dort. Ich habe sie kurz aus dem Kunstunterricht besuchen können und ihre Lehrerin zeigte mir gleich und ganz begeistert, was Svenja bislang kreiert hat. Insgesamt hatte ich einen sehr engagierten und netten Eindruck von den Lehrern und Personal.

Andrea Thulin mit dem Lobster

Und dann ging es auch gleich weiter in das 2 Stunden entfernte Fryeburg und zur danach benannten Fryeburg Academy in Maine. Dort habe ich eine ganz reizende Führung durch die Schule von meinen drei Jungs Max, Jonas und Konstantin bekommen. (Wenn auch nicht ganz freiwillig )

 

 Die Schule verfügt neben der herrlichen Schulaltbau über eine ganz neue Sporthalle und ein gerade erst fertig gestelltes Theater. In diesem finden nicht nur die Aufführungen der Schüler, sondern auch professionelle Inszenierungen statt. Ein Teil ist an eine Kunstgalerie vermietet, zu der die Schüler kostenlosen Zugang haben. Die Unterbringungen sind einfach gehalten. Man hat ein Bett, einen Schreibtisch und Schrank. Dies ist die Aussage der Jungs, da mir als Frau das betreten der Jungenzimmer verboten war. Es herrscht also strickte Geschlechtertrennung.

Und weiter ging es dann noch am gleichen Tag zur St. Johnsbury Academy und der Weg dorthin durch die White Mountains war atemberaubend schön. Ich habe den Indian Summer gesehen und den ersten Schnee in der Hand gehabt. Mit einer solchen Kälte hatte ich gar nicht gerechnet und mir wurde dann auch bestätigt, dass es für diese Jahreszeit ungewöhnlich war. Hab allerdings schon wieder vergessen, wie kalt es war.

16.10.09 Nach einem total fetten typisch American Breaktfast mit Eiern und Kartoffeln bin ich fast geplatzt und umso lieber kreuz und quer duch die Schule gelaufen. Ich war total beeindruckt von der St. Johnsbury Academy in Vermont. Die Unterkünfte waren zwar auch nicht so toll aber ansonsten ist die Schule, wie man so schön sagt "der Hammer". Neben einem sehr hohem akademischen Niveau und vielseitigem Angebot, bietet die Schule auch viele praktische Kurse an. So gibt es im Keller eine riesige Autowerkstatt, in die die Bewohner von St. Johnsbury (Ort) ihr Autos zur Reparatur bringt. Zudem hat die Schule ein eigenes kleines Restaurant im Ort, wo man dreimal in der Woche zu Mittag essen kann. Dabei geht es nicht darum, dass die Schüler allein das Kochen lernen, sondern vielmehr Menüs zusammen stellen und lernen, wie so ein Restaurant wirtschaftlich zu führen ist. Wenn man einen praktischen Zweig wählt, können die dort erlangten "Credits" später anerkannt werden und die weitere Ausbildung zum teil bis auf die Hälfte verkürzt werden. Die kreativen Kurse, wie Design, Tanz, Fotografie und Kunst werden u.a. von professionellen Künstlern und Tänzern unterrichtet. Der Designkurs hatte in seinem zweiten Semester Kleider entworfen und genäht, die mich wirklich beeindruckt haben. Jeder Tag fängt mit einer assembly (Versammlung) an, bei der die wichtigsten Dinge der Woche oder des Tages bekannt gegeben werden. Ich war an einem uniformfreien Tag dort, der ca. 1x im Monat statt findet. An diesem Tag tauscht man die Uniform gegen seine normalen Lieblingssachen ein. Die Mützen müssen im Schulgebäude trotzdem abgenommen werden.  

Da ich noch einen weiteren Besuch in Boston hatte, musste ich mich beeilen und schnell (soweit man das bei der Geschwindigkeitsbegrenzung in den USA kann) zurück.

In Boston, bzw. Cambridge angekommen, habe ich mir zusammen mit Neil van Siclen, der GLS in Bremen vertritt, die Matignon High School angesehen. War schon etwas später.

Wir haben diese Schule erst im letzten Sommer in unser Programm aufgenommen und momentan einen Schüler dort, der sich sehr wohl fühlt. Der Hausmeister der Schule hat uns eine ganz ausführliche und sehr lebendige Führung gegeben. Cambridge ist u.a. die Heimatstadt der Harvard University. Daher wohnen dort viele Akademiker, die der Gegend den Ruf geben, auch schulisch ein sehr hohes Niveau zu haben. Die Schule ist mit seinen ca. 300 Schülern eher klein, verfügt aber über eine sehr gute Ausstattung. Gerade wurde die Bibliothek renoviert, neue Laptops gekauft, die den Schülern während des Unterrichts zur Verfügung stehen und es ist eine neue Sporthalle hinter der Schule in Planung. Die Sportfelder liegen erhöht hinter der Schule und werden außerhalb der Schulzeiten von der Gemeinde benutzt.  

17.10.2009 Im Zug ging es dann weiter in Richtung New York City. Auf halben Weg liegt die Cheshire Academy, die ich mir natürlich nicht entgehen lassen konnte. In New Haven, in dem die zweite weltberühmte Universität Yale liegt, hat mich Alan Whittemore (Dean of Admission) abgeholt. Von dort ging es auf den schönen Campus im gleichnamigen Ort Cheshire, CT.

Trotz Sonntag war eine Menge los und so konnte ich dem Football Team bei einem wichtigen Spiel gegen eine andere Schule zusehen, selbstgebackene Plätzchen von Schülern und Eltern kosten und mich einfach nur wohl fühlen. Neben einem internationalen Austauschschüler aus Schweden und seiner türkischen Freundin, konnte ich auch den 15 jährigen Sohn von Alan, der ebenfalls auf die Schule geht, kennen lernen. Das war eine prima Gelegenheit, Insiderwissen über die Schule und das leben dort zu bekommen. Alle drei waren begeistert auch wenn den jungen Schweden ab und zu das Heimweh plagt. Die Schule verfügt über relativ neue Internatsgebäude und kann auch auf speziellen Wunsch Einzelzimmer zusagen.

Im Anschluss ging es dann auch schon weiter nach New York, wo ich 4 Tage alte Freunde treffen, neue Menschen kennen lernen, in ein total fantastisches Musical namens Fela zu gehen und mich neu einzukleiden.

21.10.09 CSIET Meeting - Gestern bin ich in Alexandria Old Town in Virginia angekommen, wo in diesen Jahr das CSIET Meeting stattfinden wird. CSIET steht für "Council on Standards for International Educational Travel" und ist ein Dachverband von allen Austauschorganisationen in den USA und einigen wenigen im Ausland, zu denen auch GLS gehört. Einmal im Jahr treffen sich also alle Organisationen und besprechen aktuelle Ereignisse, Neuerungen und Probleme. Gastredner sind unter anderem immer Vertreter des Department of States, verschiedener Behörden und ehemalige oder aktuelle Austauschschüler. Hier werde ich meine Partner treffen und mich über die laufende Saison austauschen. Mir gibt das immer ein gutes Gefühl persönlichen Kontakt zu haben und man bemerkt einen Unterschied in der  Zusammenarbeit, wenn man jemanden kennt und umgekehrt.

Jenelle von Face the World sagt immer: “Put a name to a face. That is invaluable.”

 

Samstag gehts dann weiter nach Orlando, Florida. Von dort aus werde ich den Brevard School District ansehen.

24.10.2009 Gestern war ich total erledigt und hab einfach nur schlafen müssen und leider gar nichts von Orlando gesehen.  Am nächsten Morgen hab ich mich dann auf gemacht, den Brevard School District und genau die Titusville und Palm Bay High School zu besuchen. Da es mal wieder ein Sonntag war, konnte ich mir die Schulen nur von außen und ohne Schüler ansehen. Nicht so schlimm! Die Sonne schien, der Strand ist nur einmal über die Strasse und ich mir dachte, dass sich Schüler hier einfach wohl fühlen müssen.

Beide besuchten Schulen sehen wie typische High Schools aus. Sprich, sie verfügen über mehrer Gebäude in denen die unterschiedlichen Departments (Naturwissenschaften, Kunst, etc.) untergebracht sind, weitläufige Pausenhöfe und natürlich Sportfelder.

Last but not least hatte ich noch zwei Privatschulen auf der Liste, die Bradenton Academy und Saint Stephen's Episcopal School in Bradenton, einem kleinen Ort an der Westküste Floridas.

26.10.2009 Am Vorabend durfte ich mir einen total schönen Sonnenuntergang am Bradenton Beach ansehen und beneide nach wie vor jeden, der dort wohnen darf.

In der Bradenton Academy hab ich dann meine diesjährigen Kids (Theresa, Pia, Imma, Justus, Moritz und Lucca) getroffen. Die erzählten fröhlich über den Schulalltag, Sport, den Schulball mit oder ohne Date und die Gastfamilien. Im Anschluss zeigte mir die Betreuerin vor Ort, Valeria, die Schule und auch die Direktorin Dr. Hedgcock hatte Zeit für mich. Insgesamt eine total nette, kleine Schule, bei der jeder eine ganz individuelle Förderung erleben kann. Dr. Hedgcock steckt voller Ideen, wie man der Schule neue Impulse geben kann. So sind nun mehrere Internatshäuser geplant, die Schüler ab nächsten Sommer aufnehmen werden. 

Abends durfte ich noch die Gastfamilien von Pia und Theresa  besuchen, welche mir bestätigten, dass die beiden echt tolle Gastschüler sind und wir gerne noch mehr von deren Sorte schicken können. Machen wir gerne!

Wem eine intensive Betreuung und eine kleine fürsorgliche Schule wichtig sind, ist bei der Bradenton Academy genau richtig aufgehoben.

Die Saint Stephen's Episcopal School liegt ebenfalls in Bradenton und wird auch von Valeria betreut. Die Schule ist jedoch sehr viel größer und vom akademischen Niveau anspruchsvoller. Der Eindruck der Angestellten dort ist oberflächlicher und die Schüler kommen alle aus sehr wohlhabenden Familien. Diese Schule ist sehr empfehlenswert für akademisch anspruchsvolle Jugendliche.

Großer Pluspunkt bei Bradenton ist die Nähe zu mancher der schönsten Strände mit Puderzuckersand und die Nähe zu den Everglades, die für mich zu einem späteren Zeitpunkt das absolute Highlight meiner Reise waren.

Dann fing mein Urlaub an. Zunächst bin ich nach Fort Meyers gefahren und hab einen Strandtag aud Sanibel Islands eingelegt. Echt traumhaft. Am nächsten Morgen ging es dann auf eine Everglades Tour mit einem Airboot durch einen See mit 5000 Aligatoren.

Leider habe ich höchsten mal den Kopf von Weitem gesehen. Dafür standen da auf einmal Kühe.

Aber einen kleinen 2 Jahre alten Aligator und ne Schlange hab ich dann noch in den Händen halten können. Das war echt so toll! Hat erst etwas Überwindung gekostet aber dann wars klasse.

Dann noch einen Abstecher nach Miami, welches mich nach all der Natur erstmal ganz schön umgehauen hat. Aber toll wars doch und ich habe auch hier viele nette Menschen kennen gelernt und konnte mein total gebrochenes Spanisch trainieren.

Nun bin ich schon wieder in Deutschland. Im Flieger von Düsseldorf nach Berlin erwähnte der Pilot, dass es in Berlin grau sein, leichter Schauerregen vorherrsche und so ca. 3 °C sein. Oh mein Gott! Und das nachdem ich gerade erst vom Strand bei 35°C direkt zum Flughafen bin. Naja, ist nicht zu ändern!

Es war eine so anstrengende aber auch schöne Reise, bei der ich viele tolle Menschen getroffen und so viel erlebt habe.

Wenn ihr Fragen habt, meldet euch!

Liebe Grüße

Andrea von GLS