Mein Rückblick auf den Get Ready Workshop für Austauschschüler in Berlin
okay, es wird zeit, dass ich mich als erziehungsberechtigter über einhundertundvierzig schüler mal zu wort melde. es gibt einiges über den get ready workshop hier in berlin diesen juni zu berichten. und einige fotos gibt es auch zu sehen.
aber zuerst einmal zu mir. ich bin jens, und man hat mich zusammen mit der zauberhaften amélie dazu erkoren, über ein heer von sage und schreibe einhundertundvierzig austauschschülern wacht zu halten. nichts ist einfacher als das, wenn diese sich der durch mich gesteuerten selbstregulation überlassen werden. und wenn man so tolle teilnehmer hat wie tobi, vivien, lea, timo, bene, alex, claire, hendryk, gustav, jantje, charlotte, yannic, jan-philpp, lucas ... dann kann es einfach nur traumhaft werden.
es war echt so cool, so viele leute vom ostersprachkurs vom ende märz hier wieder zu sehen. ich habe mich bei so vielen so unendlich gefreut, dass sie wieder einen immens weiten weg hierher nach berlin angetreten sind. aber es hat sich auch gelohnt. nee, eigentlich war das lks viel zu kurz. das ganze ging nur von freitagnachmittag bis sonntag am frühen nachmittag. das sind effektiv 48 stunden. und dann mussten die meisten schon wieder zum zug oder flieger richtung heimat. das war viiiiieeeellllll zu kurz! eigentlich sollte das lks genauso wie der ostersprachkurs mindestens fünf tage dauern. da kann man auch was mit fehlstunden an der schule drehen, wenn das schon nicht mit einheitlichen ferien in ganz deutschland klappt. immerhin fehlt man ja auch ein ganzes schuljahr (die meisten zumindest), dann kommt es hierauf doch wohl auch nicht mehr an, oder? =D
ich muss ja sagen, dass dieses erste suchen und finden und gegenseitig beschnuppern wie noch beim ostersprachkurs ganz ausgeblieben ist. die leute, die sich schon kannten, die haben sich eh gleich verbrüdert. und die neuen, die eben noch nicht im märz hier waren, die wurden einfach mitgeschleppt - zu deren vergnügen versteht sich. und das haben wir definitiv gehabt. vergnügen pur!
also das glaube ich zumindest. ich kenne ja nur die freizeitsituation des landeskundeseminars. im gegensatz zu den schülern, die am freitagnachmittag, samstag ganztags und sonntagvormittag ja auch noch was über ihr zielland gelernt haben oder zumindest gelernt haben sollten, hatte ich hier ja pause zum entspannen und durchatmen. aber soweit ich weiß, haben die lehrer mit ihren methoden das lernen noch ganz angenehm gestaltet, so dass es mehr lust als frust war. adam loughnane war da wohl der coolste mit seinem multimedialen kanada-unterricht. das hat echt geflasht. aber auch rebecca hanusch, die ihre skandinavien-schüler am abend gleich mal mit zum mittsommernachtsfest mitgenommen hat oder shuang, die chinesisch-lehrerin, die unsere schüler am liebsten gleich als gastmutter während ihres chinaaufenthaltes gehabt hätten oder chandler huntley mit seinen vielen berichten aus der zeit, als er selber noch schüler in den usa war.
aber was eben auch total toll war ist, dass man bei so vielen bbq's, lunchs und brunchs voll viel zeit hatte, sich mit den anderen zu unterhalten. und wenn man wollte, konnte man ganz einfach so berlin erkunden gehen.
am ersten abend war definitiv fussball angesagt. nicht dass das spiel nun der absolute hammer war. das hatte ich zumindest auch nicht erwartet. synchronschwimmen hat da eine ebensolche dynamik zu bieten wie dieses spiel. - es spielte eben nicht deutschland - aber das coole war, dass jeder das in seinem super-komfortablen zimmer im hostel gucken konnte. denn jedes zimmer - nein, ich lüge nicht! - wirklich jedes zimmer hatte einen flat-screen-tv mit remote und tausenden von kanälen. okay, letztendlich haben wir uns doch in einem zimmer zu einem gigantischen pulk von fußballguckern zusammengefunden. das war zu erwarten. aber theoretisch hätte es eben auch jeder in seinem zimmer gucken können.
danach sind wir raus und noch kurz rüber zum alexanderplatz und zum oststrand mit zwischenstopp beim mäcces am ostbahnhof.
und hier hat alex seine liebe zum fahrradfahren entdeckt.

nicht dass er es bis dahin noch nicht konnte. sein herz schlug von diesem moment an aber für die leih-fahrräder der deutschen bahn, die überall zu finden sind. einfach eine nummer per handy anwählen und rad zur freien fahrt freischalten lassen. der junge ist echt stunden umhergegurkt. sein größtes erlebnis war aber, als er mit einem echten velo-taxi-fahrer über das fahrradfahren im allgemeinen und besonderen fachsimpeln konnte.
na ja, irgendwann ging auch dieser abend zu ende und der nächste morgen kam viel schneller als erhofft. mit noch leicht müden augen ging die masse von schülern vom hostel - hier waren neunzig leute eingebucht - die wenigen minuten rüber zum gls-campus. das ist echt ein gigantischer vorteil, so nah am campus zu wohnen. und dann startete der unterricht. zumindest für die schüler. für mich sollte ein wenig entspannung eintreten, denn nun hatten die lehrer das oberhaupt über sie übernommen. einige zeigten kurze filme über land und leute und sprachen im anschluss darüber. andere fragten heftigst die oldies aus, wie diese ihr jahr im ausland verbracht haben, wie es mit der gastfamilie war, wie das mit der schule und den mitschülern war, wie sie mit heimweh umgegangen sind usw.
am abend konnte man sich noch aussuchen, entweder in das interaktive museum 'story of berlin' zu gehen oder eine stadttour per richtig kultigem fahrrad durch berlin zu machen. dafür hatte ich mich entschieden. und 26 andere schüler sowie amélie auch. die tour startete punkt 19:00 uhr direkt unter dem fernsehturm bei fat tire bike tours.
die zwei führer kamen irgendwo aus den usa. ganz genau weiß ich aber nicht mehr woher. man konnte es an ihrem akzent aber doch noch raushören. mit ihnen sind wir viele orte angesteuert, die selbst ich als jemand, der ja nun auch schon paar jahre in berlin lebt, noch nicht gesehen habe. sie haben uns sogar auf die marx-engels-statue für ein gemeinsames gruppenfoto klettern lassen. ich kann mir nicht vorstellen, dass das im sinne des erbauers gewesen ist. x-( die tour jedenfalls war richtig cool. und das wetter dazu war einfach perfekt. die sonne stand am himmel und ging so ganz langsam und gemächlich unter. die stadt glitt vom hellerleuchtet zum dunkel des abends.
anschließend - immerhin war es bereits wieder der letzte abend - mussten wir natürlich noch ein wenig gucken, was der so berühmte prenzlauer berg so zu bieten hat. hm, mit den kneipen und bars scheint es wohl ein wenig rigider geworden zu sein. die gucken tatsächlich nach den ausweisen und wer überhaupt noch rein darf und wer ein bierchen trinken darf und wer eben nicht. das scheinen wohl die konsequenzen der vielen koma-saufgelage zu sein, dass hier jetzt voll die kontrolle gefahren wird. aber durch die straßen ziehen war trotzdem irgendwie cool. und alex ist auch wieder zu einem neuen leihfahrrad der deutschen bahn gekommen und war somit der überglücklichste mensch auf der welt - zumindest für diesen einen abend.
nächsten morgen - auch diese nacht war wieder viel zu kurz - ging es dann zu den letzten einheiten des landeskundeseminars. zehn uhr ging es bei gls los. um zwölf waretete noch als kleine überraschung auf der front-terrasse von gls ein sänger aus südafrika auf uns, der uns ein wenig von seinem land, seiner geschichte in der apratheid und danach berichtete und von seinem hilfsprojekt, mit dem er obdachlosen kindern unterkunft und verpflegung organisiert. das fügte sich eigentlich ganz gut in die letzte thematik des unterrichts ein, weil wir hier kulturrelle unterschiede, kulturschock u.ä. besprochen hatten.
gleichzeitig gab es das wohl leckerste buffet, was man sich nur vorstellen kann, so dass sich einige leute richtig vollgeschlagen haben und übersatt waren, als sie dann wieder auf ihren weg heim aufgebrochen sind
ich kann mir echt nicht vorstellen, dass es auch nur einen einzigen gibt, dem diese tage bei gls nicht richtig spaß gebracht haben. und das alles trotz dass eigentlich wochenende und normal lernfrei von der schule war.
ich würde mich super freuen, einige hier in berlin oder wo auch immer mal wieder zu sehen. und vor allem, dass meine einhundertundvierzig schüler einhundertundvierzigmal richtig viel spaß in ihrem auslandsjahr haben, dass sie richtig viele positive erfahrungen auch weit außerhalb der high school sammeln und dass sie glücklich als gereifter mensch wieder zurück nach deutschland kommen. denn dann, so denke ich, haben wir unseren job hier bei gls richtig gut gemacht.
so long, meine lieben, euer erziehungsberechtigter jens
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