Erfahrungsbericht von Florian
Ich war für 10 Monate in Baton Rouge, Louisiana. Anfangs war ich mir nicht ganz sicher ob ich wirklich ein Jahr ins Ausland gehen möchte oder nicht. Letztendlich habe ich es einfach getan und es hat sich gezeigt dass dies die beste Entscheidung war die ich bisher in meinem Leben getroffen habe.
Ich erinnere mich noch ganz genau an meinen ersten Tag. Ich bin aus Kroatien losgeflogen weil ich mit meiner Familie zu der Zeit im Urlaub war. Ich kam erst am Flughafen in Atlanta an und dachte mir „Oh mein Gott… bin ich jetzt wirklich in Amerika?!" Ja, so war es. Ich konnte es wirklich kaum fassen. Dann bin ich weiter nach Baton Rouge geflogen, aus dem Flieger ausgestiegen und dort haben auch schon meine Gasteltern auf mich gewartet. Candice und Bob Hartley, die beste Gastfamilie die ich je hätte kriegen können. Gleich nachdem Candice mich gesehen hatte rief sie „Ahhh, there is Flo!" Eindeutig meine Gastfamilie.
Sie fragten mich ob ich Hunger habe. Nein, ich hatte überhaupt keinen Hunger (das habe ich ihnen aber nicht gesagt gehabt). Ich hatte im Flieger etwas gegessen und Lunchpakete hatte ich mir auch noch für die Reise fertig gemacht. Ich war wirklich so satt. Dann hat Bob mich gefragt ob ich gerne essen gehen möchte…natürlich habe ich „ja" gesagt, was blieb mir auch anderes übrig? Hätte ich „nein" gesagt wäre ich das Risiko eingegangen einfach nach Hause zu fahren und den Rest des Abends vor dem Fernseher zu verbringen, dass kam für mich nicht in Frage.
Auf dem Weg zum Texas Road House hat Candice die ganze Zeit versucht mit mir zu reden. Ich konnte sie nur sehr schlecht verstehen. In der Schule haben wir Britisches Englisch gelernt. Und jetzt war ich im Süden Amerikas wo jeder einen Louisiana Akzent hat. Zudem konnte ich mich nicht mal wirklich auf ein Gespräch konzentrieren. Es war einfach nur so unglaublich aufregend für mich zu wissen dass ich in Amerika bin. Ich saß nun also in einem riesigen schwarzen Pick Up Truck und bin auf dem Interstate 10 gefahren. Ich habe es so genossen einfach nur aus dem Fenster zu gucken. Alles, wirklich ALLES war so unterschiedlich. Dann habe ich mich an unseren GLS Workshop erinnert. Regel Nr. 1: Versuche mit deinen Gasteltern zu reden. Dazu haben wir eine Liste mit Fragen gemacht. Die Fragen, an die ich mich erinnern konnte habe ich gestellt. Die Antwort kam zu jeder Frage, verstanden habe ich keine, aber ich konnte die Aussicht aus dem Truck genießen 
Im Texas Road House angekommen hat Bob, mein Gastpapa, mir eine gebackene Kartoffel mit Sour Cream und ein großes T-Bone Steak bestellt. Als das Essen kam dachte ich mir nur „Wie soll ich das nur alles essen? Wie kann ich sagen dass ich keinen Hunger habe…?" Nein, um zu sagen dass ich keinen Hunger habe war es jetzt eindeutig schon zu spät. Ich habe es einfach gegessen.

Schon im Restaurant ist mir aufgefallen dass Amerikaner anders sind als Deutsche. Bestes Beispiel: Unsere Kellnerin hat zu Candice gesagt, dass sie sehr schöne Ohrringe habe. Ihre Antwort war: „Danke! Hier, nimm sie, du kannst sie haben. Ich hab noch ein paar von denen zu Hause!" Und sie sah die Kellnerin zum ersten Mal. Ich fand das schön. Sehr herzliche Menschen.
Später am Abend kamen wir nach Hause, mir wurde alles gezeigt. Ich hatte mein eigenes Zimmer, ein Zimmer zum Hausaufgaben machen, ein eigenes Badezimmer und draußen war ein großer Pool.
Am nächsten Morgen gab’s Mc Donalds zum Frühstück und dann ging es los um meine Schuluniform zu kaufen. Eine hellbraune Hose, Sportschuhe und ein weißes oder lila Schulshirt. Einmal wurde ich sogar von der Schule nach Hause geschickt, weil ich ein falsches Shirt getragen habe. Ich hatte einfach nur vergessen gehabt meine Uniform zu waschen. Wir waren am Abend zuvor bowlen, dementsprechend roch dann auch mein lila T-Shirt. Ich dachte mir einfach nur: „Willst du jetzt den ganzen Tag in einem stinkigem, nach Burger und Zigaretten stinkenden Schulshirt in der Schule sitzen oder doch lieber ein frisches und gewaschenes schwarzes T-Shirt anhaben? Ach, was soll’s, wird schon nicht so ein großes Problem sein…" Nur leider kam alles anders als erwartet. Ich wurde ins Sekretariat geschickt und sollte meine Gasteltern anrufen. Ich nahm also mein Handy aus der Tasche um meinen Gastpapa Bob anzurufen. Mit einmal hat mich Mrs. Scott, die Sekretärin, angeschrien und mir gesagt, dass Handys in der Schule strengstens verboten sind! „Aber sie haben doch grade eben noch gesagt dass ich meine Gasteltern anrufen soll?!" Sie guckte mich sprachlos an und berichtigte mich: „Benutze das Schultelefon!" Na gut, welches Telefon ich nun benutze war mir echt egal. Da war nur noch ein Problem – Ich hatte die Nummer nicht im Kopf. Ich musste also im Handy nachgucken, anders hätte ich nicht anrufen können. Die Sekretärin hat es wieder gesehen gehabt und stand nur sprachlos vor mir. Auf einmal hat sie angefangen zu lachen und gesagt „Ich glaube ihr Deutschen seid wohl einfach nur anders." Danke für das Verständnis Mrs. Scott!
Am ersten Wochenende sind wir mit unserem Boot auf den nahe gelegenen See „Lake Maurepaus" gefahren um dort baden zu gehen. Leider habe ich vergessen mich einzucremen. Das endete in einem fürchterlichen Sonnenbrand. Aber dennoch war es ein wunderschöner Tag in Amerika! In diesem See habe ich einen Monat später auch einen Alligator gefangen. Wir waren grade baden und auf einmal sah ich einen Alligator wie er direkt vor mir lang geschwommen ist. Es waren noch ein paar andere Männer in unserer Nähe. Sie sind dem Alligator hinterher gegangen und wollten ihn fangen . Erst war ich mir nicht sicher ob ich ihm auch wirklich hinterher gehen sollte. Aber hab ich mir gedacht „Alle andern machen es doch auch, so gefährlich wird es schon nicht sein. No Risk No Fun!" Dann hat einer der Männer zugegriffen, er hielt den Alligator direkt am Kopf und der Schwanz des Alligators, mit dem er sich versuchte zu verteidigen, traf ihn bei jedem Hieb am Oberkörper. „Come on guys, I need help!" Da ich direkt neben ihm stand, half ihm beim festhalten des Alligators und dann hatten wir ihn auch schon sicher im Griff. Jeder grinste mich an als ich gesagt habe dass es der erste sei den ich je in meinem Leben in freier Wildbahn gesehen und gefangen habe. Ich dachte mir nur so „Herzlich Willkommen zum American Way Of Life in den Südstaaten..." Dies war ganz sicher einer der aufregendsten und verrücktesten Tage in meinem ganzen Leben.

Montag war mein erster Schultag. Ich war so aufgeregt in einem gelben amerikanischem Schulbus zur Schule zu fahren. Mein Nachbar Mohammed, der mit mir auf dieselbe Schule ging hat mich morgens abgeholt und wir sind zusammen gefahren. Da hatte ich gleich jemanden gehabt der mir alles zeigen konnte. Der erste Tag in der Schule war zum einen super aufregend aber zum anderen auch etwas enttäuschend. Aufregend insofern dass man SOFORT mit jedem ganz einfach ins Gespräch kam. Jeder wollte wissen woher ich komme und ob ich nicht mal ein oder zwei Sätze deutsch reden könnte. Enttäuschend war der Tag aber auch. Ich habe mir nur so gedacht „ Nun lerne ich schon seit 7 Jahren Englisch an der Schule und verstehe trotzdem niemanden…" Was aber nicht heißen soll dass ich mich nicht verständigen konnte. Mit Händen, Füßen, einem Zettel und einem Stift geht alles super! Ich musste nicht einmal sagen dass ich aus Deutschland bin. Jeder hatte es gesehen. Ich war der einzige mit einer Bauchtasche an der ganzen Schule. Mir war wirklich nicht aufgefallen dass ich der einzige bin der eine hat. Später wurde mir gesagt dass in der Regel nur Homosexuelle Bauchtaschen tragen… von dem Tag an habe ich sie dann auch zu Hause gelassen.
Eine Frage die mir andauernd gestellt wurde war: „Wie heißt eigentlich euer Führer in Deutschland?" Oh mein Gott… Ich war wirklich sprachlos. Aber gut, auch dass gehört einfach dazu. Dann habe ich immer allen versucht zu erklären, dass auch wir in Deutschland eine Demokratie haben.
Meine Schule bestand aus etwa 70% Schwarzen, 20% Weißen und die restlichen 10% mischten sich aus allen anderen Kulturen zusammen. Ich würde sagen dass fast jede Kultur bei mir an der Schule vertreten war. Insgesamt waren wir um die 1800 Schüler. Es gab sogar noch 2 andere Austauschschüler aus Deutschland.


Was ich sehr schön an der Schule fand war, dass ich mir alle Kurse die ich nehmen möchte alleine aussuchen konnte. Wir hatten so viele Kurse: Gitarrenklasse, Pianoklasse, Kunstklasse, Militärkurs, Biologie, Chemie, Holzwerkstatt, Landwirtschaft, Elektronikklasse, Football, Spanisch, Kochen, Gartenarbeit, sogar einen Kurs für Tierhaltung gab es! Die beste Klasse die ich gewählt habe war die „JROTC Class". Eine Militärklasse. Donnerstags hatten wir Uniformtag, jeder hatte also seine Militäruniform mit Namensschild und Abzeichen getragen. Auf die Frage „Wie trägst du deine Uniform?" gab es nur eine einzige Antwort die unsere Lehrerin akzeptierte: „Mit Stolz und Ehre!" Und so war es auch.

Dann war ich noch im Schießteam. Dem Schießteam konnten nur die Leute beitreten, die JROTC als Hauptfach belegten. Bei einem Wettkampf im Dezember habe ich sogar den ersten Platz gemacht. Es war ein aufregender Tag für mich. Niemand hatte damit gerechnet dass ausgerechnet ich, der deutsche Austauschschüler der noch nie ein richtiges Gewehr in der Hand hatte den ersten Platz machen würde. Es war ein wirklich besonderer Augenblick für mich.
Außerdem war ich noch Platoon Sgt. Das heißt ich habe die Klasse jeden Donnerstag Morgen in eine Formation gestellt und kontrolliert, ob jeder die Uniform richtig trägt.
Namensschild, Schulzeichen und Rangstern auf der rechten Seite. Auszeichnungen wurden links über dem Herzen getragen. Die Gürtelschnalle muss poliert sein und es dürfen nur schwarze Socken getragen werden. Die Schuhe mussten natürlich auch immer glänzen.
Die Schule begann um 7:15 a.m. . Der Bus sollte immer um 6.30 a.m. da sein. Er war nicht an einem einzigen Tag pünktlich. Frühstück gab es für jeden Schüler an jedem Tag kostenlos. Mittag hat jeden Tag gleich viel gekostet. Mit Milch 3,75$ und ohne Milch 2,75$.
Jeden Morgen haben wir unseren „Pledge of Allegiance" gesprochen. Jeder ist aufgestanden, hat der Flagge salutiert oder stand mit der Hand auf dem Herzen liegend vor der Flagge. „I pledge allegiance to the flag of the United States of America, and to the republic for which it stands, one nation under God, indivisible, with liberty and justice for all."
Ich habe jedes Mal eine Gänsehaut bekommen. Ich wünschte wir hätten so etwas auch in Deutschland. Es gibt jedem das Gefühl ein Teil von dem zu sein, was man liebt. Und das ist in Amerika das Vaterland. Jeder hat so viel Stolz auf seine Nation. Jeder hat der Flagge mit absolutem Respekt gegenübergestanden. Danach gab es immer noch eine Schweigeminute für diejenigen die im Krieg ihr Leben lassen. Ihr Leben dafür lassen, dass wir solche Freiheiten genießen dürfen. Sie kämpfen, einige lassen ihr Leben für uns.
Dieser Patriotismus ist mir auch bei meinen Gasteltern, Gastonkels, sogar bei meiner Gastoma aufgefallen. Jeder ist so unheimlich stolz Amerikaner zu sein. Meine Gasteltern waren Marines, haben ihrem Land für 4 Jahre gedient. Es ist unbeschreiblich wie unterschiedlich dieses Leben ist. In jedem Klassenraum hing eine Amerikanische Flagge. Wir hatten einen Fahnenmast vor unserem Haus mit einer Amerikanischen Flagge die Tag für Tag im Wind weht. Fällt sie runter oder berührt sie den Boden wird sie ehrenvoll und traditionell verbrannt. Es gibt keine Flagge die schon einmal auf dem Boden lag. Und es gibt niemanden, der keine Amerikanische Flagge zu Hause hat. Ich kann mich noch genau an diesen einen Nachmittag erinnern- Bob, mein Gastpapa hatte mich vom Fußballtraining abgeholt. Wir fuhren nach Hause, standen vor unserem Haus und Bob wollte in die Einfahrt fahren. Auf einmal blieb er mit dem Auto mitten auf der Straße stehen und stieg aus. Ich guckte ihm nach und fragte mich, warum er anhielt. Er ging geradewegs auf unsere Flagge zu, die die vor unserem Haus hing. Sie hing nicht richtig, hatte sich einige Male um den Fahnenmast gewickelt gehabt. Er nahm die Fahne in die Hand, brachte alles in Ordnung, steckte sie zurück in die Halterung, salutierte, kam zurück ins Auto und fuhr dann in die Auffahrt. Eine Sache die mich wirklich schockiert hat war, als ich meine Gasteltern gefragt habe was passiert wenn man der Flagge nicht mit Respekt gegenüber tritt. Meine Gastmama hat gesagt „Ich würde ihn erschießen." Meine Augen waren bestimmt so groß wie ein Tischtennisball. Ich guckte zu Bob rüber. Der stimmte Candice mit einem sicheren Nicken und einem ersten Gesicht zu. So recht konnte ich das nicht glauben. Ich nahm also mein Handy und rief meine Gasttante Cassie an, die in Texas wohnte. „Hey Cassie, sag mal was würdest du machen wenn sich jemand respektlos der Amerikanischen Flagge gegenüber verhält?" „Flo, machst du Witze? Natürlich würde ich ihn erschießen! Was glaubst du denn?" Ich glaubte kaum was ich da hörte… verrückt für deutsche Austauschschüler, normal für patriotische Amerikaner.
Vor jedem Football oder Baseballspiel hat das ganze Stadion gemeinsam die Nationalhymne gesungen. Alle zusammen, ganz egal von welchem Team man ist oder ob man schwarz oder weiß ist. Jeder ist aufgestanden, hat die Mütze abgenommen und stand salutierend oder mit der Hand auf dem Herzen zur Flagge gerichtet und hat stolz mitgesungen. Es war unglaublich dabei gewesen zu sein. Eine wichtige Regel: Man singt immer in Richtung der Flagge und sieht sie dabei immer an.
Jeden Montag bin ich zu „Younglife" gegangen. Eine Art Teenagertreff von der Kirche aus organisiert. Es hat jedes Mal aufs neue viel Spaß gemacht! Lagerfeuer machen, essen gehen, Spieleabende, angeln gehen, … Ich habe dadurch sehr schnell und leicht Anschluss zu anderen Leuten in meinem Alter gefunden.

Etwas Besonderes was es in Deutschland nicht gibt sind die Schultänze. Wir hatten zu recht vielen Anlässen einen Schultanz. Homecoming, Valentinstag, Zuckerlandstanz, einen Tanz zu Ehren des Footballteams und der berühmteste Tanz überhaupt: PROM!
Ich ging mit Carley, meiner Freundin dort hin. Da sie ihr eigenes Auto hatte wollte sie mich abholen. Sie kam geschlagene 1,5 Stunden zu spät. Naja, wie ich später herausfand ist es normal dass das Mädchen zu spät kommt. Der Schulbus ist ja schließlich auch nie pünktlich…
Wir gingen in das japanische Restaurant „Hello Sushi" am Old Jefferson Highway. Es war ein wunderschöner Abend. Nach dem Essen sind wir zusammen zum Tanz gefahren, wo sie mir während der Autofahrt ganz nebenbei erzählt hat dass sie jüdischen Glaubens ist. Ich habe nicht schlecht geguckt weil ich es wirklich nicht erwartet habe und es auch nicht wusste. Aber ich denke dass dies viele Vorurteile zwischen Deutschen und Juden in den Schatten stellt. Irgendwie fand ich das aber auch cool, ich meine der deutsche Austauschschüler geht mit einem Mädchen jüdischer Abstammung zum größten Schultanz im Jahr – Das hat schon was Besonderes.

Ich war auch in einem von meinem JROTC Kurs (Militärkurs) organisiertem Boot Camp. Das war in Alexandria, eine vierstündige Busfahrt von Baton Rouge entfernt. Wir wurden in Companies eingeteilt, jede Company hatte zwischen 4 und 5 Platoons und jedes Platoon zwischen 4 und 5 Squads. In jedem Squad standen 12 Cadets, welches die Schüler waren. Ich war in der Bravo Company, 2tes Platoon und fünfter Squad, zweiter Cadet. Man hatte einen „Battle Buddy" (Trainingspartner) zugewiesen bekommen. Ich verstand mich auf Anhieb super mit meinem, er hieß Ryan. Wir mussten alles zusammen machen, ich durfte ihn nie aus den Augen lassen und er hat mich nie aus den Augen gelassen. Jede Übung mussten wir zusammen absolvieren, wir haben zusammen angefangen und sie zusammen beendet. Überlebenstraining im Wasser, marschieren, Übungen, Abseilen, zum Frühstück, Zähneputzen, aufstehen, … . Jeden Morgen wurden wir von unserem Sgt. geweckt. Um Punkt 5 Uhr ging das Licht an und das Geräusch von dem Blecheimer, auf den er mit seinem Holzknüppel geschlagen hat riss uns aus den Betten. Um 6:15 Uhr mussten wir in der Formation vor der Baracke stehen. 1,5 Stunden am Morgen Zeit zu haben hört sich nach viel Zeit an, war es aber ganz und gar nicht. Wir waren 54 Cadets (Schüler) und mussten uns 6 Toiletten, 6 Duschen und 3 Waschbecken teilen. Aber wir sind mit dem nötigsten zurecht gekommen. Das Waschbecken war besetzt?- Kein Problem, wir hatten eine Wasserflasche mit der wir uns im Wald die Zähne putzen konnten. Wenn einer zu spät zur Formation kam mussten alle Liegestütze machen. Eine Sekunde Verspätung hieß einen Liegestütz für das gesamte Platoon. Man hat den ganzen Tag nur geschwitzt und ging wirklich an seine koerperlichen Grenzen. Wir durften nur unsere Militaeruniform tragen. Wir hatten 2 Hosen, 3 T-Shirts, 2 Jacken und ein paar Stiefel fuer die gesamten 5 Tage. Wir mussten unsere Uniform also fuer mehrere Tage anbehalten und konnten keine T-Shirts wechseln weil wir nicht genug fuer die 5 Tage hatten. Am Anfang war es wirklich ecklig wieder mein verschwitztes, dreckiges und stinkendes T-Shirt anzuziehen, aber so war es. Und da ich nicht der einzige war der gestunken hat, sondern alle anderen auch, war es garnicht mehr so schlimm. Unser Sgt. hat immer gesagt: "Wenn ihr nicht stinken wollt muesst ihr schneller laufen, lueftet ein bisschen aus!"
Diese Woche im Boot Camp war eine der besten Erfahrungen aus meinem gesamten Auslandsjahr.
Ich hatte das Glück eine sehr gute Gastfamilie zu bekommen. Sie haben sehr viel mit mir unternommen, wir haben auch heute noch Kontakt zueinander.
Über Thanksgiving im November haben sie mich mit nach New York, Connecticut und Massachusetts genommen. Wir haben bei meinem Gastonkel zu Hause übernachtet. Einen Tag sind wir mit dem Zug nach New York City gefahren – Es war ein unvergessliches Erlebnis einmal in dieser Stadt gewesen zu sein!

An einem anderen Wochenende sind wir nach Mississippi gefahren, waren im Golf von Mexico baden oder haben ein paar Tage in Alabama am Strand verbracht. In der Sonne liegen und baden gehen, es hat unglaublich viel Spaß gemacht!
Weihnachten haben wir bei meinem Gastonkel und meiner Gasttante in Texas wie Cowboys gefeiert, es war großartig. Zu Weihnachten habe ich auch meinen Cowboyhut bekommen.
Teilweise hatte ich zu Weihnachten auch ein bisschen Heimweh. Ich fand es so verrückt zu wissen, dass ich Weihnachten in Texas feier und meine Eltern in Deutschland sind. Es war aber nicht der traurigste Tag. Der traurigste Tag war ganz eindeutig der Tag, an dem ich mich von allen verabschiedet habe und zurückfliegen musste. Es fiel mir wirklich nicht leicht.
Kurz vor meiner Abreise habe ich zu meinem Geburtstag noch Cowboystiefel geschenkt bekommen und mir ein Tattoo stechen lassen. Auf meiner rechten Wade habe ich jetzt für immer einen Adler inmitten einer im Wind wehenden Amerikanischen Flagge. Das beste Andenken für mich an ein einzigartiges Jahr.

Ich könnte noch so viele Sachen aufzählen die unterschiedlich sind. Ich weiß gar nicht wo ich aufhören soll. So viele Dinge die mich fasziniert haben. So viele Schöne Tage die ich dort in Amerika erlebt habe. Mein Gastonkel war zum Beispiel Polizist. Er hatte einen extra Raum in seinem Haus nur für Gewehre, Pistolen und Revolver. Wir sind am Nachmittag einfach vorbeigekommen, haben ein paar Pistolen, eine Schrotflinte, 2 Revolver und ein Maschinengewehr mitgenommen und sind schießen gegangen. Direkt am Mississippi River, alles völlig legal. Mitten am Tag.
An einem Mittwoch hatten wir einen Klassenausflug nach New Orleans. Ein Tag den ich auch niemals vergessen werde. Es fällt mir so schwer das zu beschreiben was ich in dem Moment gefühlt habe. Ich stand einfach nur mit Carley, meiner Freudin, und anderen Freunden am Mississippi River in New Orleans, habe diese riesige Brücke gesehen und mir einfach nur gedacht „Was hast du nur für ein Glück dass du jetzt hier sein darfst…Ein Jahr in Amerika!"
Dieses Jahr in Amerika war ganz sicher das beste Jahr in meinem ganzen Leben. Es war einfach Wahnsinn zu diesem Zeitpunkt an dem Platz der Erde gewesen zu sein

DANKE AMERIKA!
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