Ich bin Anja und bei GLS verantwortlich für das China Schüleraustausch Programm. Am Mittwoch 24.8.2011 bin ich nach Zhengzhou in China geflogen - als Begleiterin von fünf GLS Teilnehmern (Klara, Fenja, Emmanuel, Niklas, Nikolas). Die Flugroute: Air France ueber Paris und Shanghai nach Zhengzhou.

Auf der Langstrecke Paris - Shanghai (fast 11 Stunden) hatten wir wunderbarere Weise alle Plaetze ohne Sitznachbarn, weil die halbe Boing leerwar. Die zirka 100 Filme und Serienfolgen waren schon fast wieder uninteressant, weil man eh nicht alle schaffen konnte. Jedenfalls kamen wir sehr entspannt in Shanghai an.

Zuerst zumindest. Sehr schnell stellte sich heraus, dass alle in der selben Warteschlange fuer Immigrations anstehen mussten und unsere Umsteigezeit immer mehr zusammenschrumpfte, weil wir zudem das Gepaeck einmal abholen und neu einchecken mussten. Obwohl wir uns vorgedrängelt haben und gerannt sind, dass uns der Schweiß in die Schuhe tropfte, haben wir es nicht geschafft. Am Schalter von Air China gab es gute und eine schlechte Nachricht fuer uns: Die Gute war der: neue Flug um 13.40 Uhr. Die schlechte: er startet vom anderen Flughafen in Shanghai. Also sind wir etwas ernuechtert aber noch immer voller Neugier mit dem Airportbus ca. 1,5 Stunden durch Shanghai gefahren und hatten dadurch gleich einen ersten Eindruck von der Expo-2010-Metropole.

Bei Nebel und Starkregen und extrem vielen Hochhaeusern, war der allerdings erstmal nur so lala. Als wir dann endlich im Flugzeug nach ZZ sassen, sind wir ins Schlafkoma gefallen. ZZ empfing uns mit fast tropischen Temperaturen um die 35 Grad. Nach dem Regen in Shanghai war das gerade richtig. Phillip Rosen der Programmdirektor und Tufu (eigentlich Voytek) sein Firmenpartner und Jessica, einer Chinesischlehrerin von der Partnerorganisation "School Year in China" haben uns in klimatisierten Vans abgeholt und sogar was zu trinken mitgebracht. Genial. 
Die Fahrt in die Stadt war ca. 1 h lang und gleich eine Stadtrundfahrt. Auch hier sind Hochhaeser und Baustellen das erste was auffaellt.
Irgendwann am späten Nachmittag kamen wir auf dem Schulcampus der No 9 Zhengzhou High School an. Mit letzten Kraeften haben wir die Taschen in den 6. Stock des Jungenwohnheims geschleppt. Die Maedchern wohnen zum Glueck nur im 2. Stock. Hm, was sagt man zu den Wohnheimen?

Das ist das Mädchenwohnheim. Wir konnten uns ungestört umschauen, auch in den „regulären“ Internatszimmern für die Chinesen, weil das Schuljahr noch nicht begonnen hat und das Internat noch nicht bezogen war. Die Zimmer für die Chinesen sind sehr eng geschnittene 8-Bettzimmer, mit einer chinese Style Toilette, Kaltwasserdusche, zwar Air Conditioning aber ohne jegliche Dekoration oder Komfort. Zudem gibt es an dem einzigen gemeinsamen Schreibtisch nur 6 Stühle für 8 Personen
.
Für unsere GLS Teilnehmer wurden die Zimmer umgerüstet, so dass nunmehr nur vier Hochbetten im Zimmer stehen, die einem eignen Schreibtisch darunter Platz bieten. Es gibt einen Warmwasserboiler, ein westliches Sitz WC und eine eigene Waschmaschine im Zimmer (die allerdings noch nicht angeschlossen war, als wir ankamen.). Sie sind dadurch nicht hübscher geworden, aber ein eigener Arbeitsplatz und nur vier Personen im Bad sind viel wert.


Das ist die noch eingepackte Waschmaschine vor einem der Jungszimmer im 6. Stock. Zu den Zimmern gelangt man über überdachte Balkongänge, von denen man direkt auf den Sportplatz und über die Stadt schauen kann. Das ist echt nett, auch weil es sich dort abends mit Freunden gut treffen und quatschen lässt, wenn es so schön warm ist, wie es war, als wir ankamen. 
Diese umgestylten Internatszimmer werden dieses Jahr mit je einem Deutschen und drei Chinesen belegt. Wenn das Interesse enorm steigen würde, könnte man diese 8 Zimmer auch mit zwei "Internationals" belegen, so dass dann insgesamt 16 "Internationals" an dieser Schule untergebracht werden könnten. Die Schule verkauft in diesem Jahr die drei Schlafplätze pro Zimmer teurer an chinesische Schüler, die im extra "neuerfundenen" Schulprogramm „International Course“ eingeschrieben sind. Für diesen Kurs wurde übrigens extra noch schnell ein neuer Eingang gebaut! In China ist echt alles möglich!

Der allergrößte Vorteil der No 9 High School of Zhengzhou ist die zentrale Innenstadtlage mit einem bunten, belebten, Umfeld inklusive Millionen von kleinen und großen Läden, Coffeshops, Bäckereien, Restaurants, einer Schwimmhalle, Bowling- und Freizeithalle, Nachtmärkte, Bushaltestelle, die Agricultural University direkt gegenüber, Sportstudios, das Museum of Henan etc. Egal in welche Richtung man von der Schule in Seitenstraßen abbiegt, alles ist belebt und interessant. Es existiert eine Gleichzeitigkeit von hypermodernen Gebäuden und alten einstöckigen runtergekommenen Häusern, fast dörflich anmutende Obststände sind direkt neben großen Fahrradmärkten, handtuchschmalen Tante Emma Läden, durchgestylten Konzeptstores oder Franchiserestaurants, der Post oder einer Polizeistation. Es gibt viele Baustellen, überall Leute auf den Straßen und einen mörderischen Autoverkehr, für den rote Ampeln oder Fußgänger keine Hindernisse darstellen.


Ein weiterer Vorteil der No 9 High School of ZZ ist, dass es nur wenig deutsche/internationale Schüler gibt und diese rund um die Uhr zusammen mit den chinesischen Gleichaltrigen sind. Dadurch können sich Freundschaften zu den Mitschülern herausbilden und eine echte Integration in die chinesische Community erfolgen. An vielen anderen Schulen, so auch an der GLS Schule Beijing No. 80 High School dagegen, bleiben die Internationalen Schüler meist unter sich, weil sie in einem gesonderten Wohnheim wohnen und sie nur eine Woche pro Semester in die regulären chinesischen Klassen eingegliedert werden aber ansonsten in extra Ausländerklassen Mandarin lernen. Ganz anders in Zhengzhou: Hier sind die Internationals mittendrin im echten Schulalltag und können/müssen ihre Neuerworbenen Chinesischkenntnisse nutzen, um klar zu kommen.

die GLS Teilnehmer werden von 2 supernetten jungen Chinesisch-Lehrerinnen der Partnerorganisation „School Year in China“ jeweils vier Stunden am Vormittag unterrichtet. Die Lehrerinnen sprechen auch gut englisch.

Nach dem Lunchbreak nehmen die GLS Schüler dann am regulären Unterricht der chinesischen Schüler teil. Diese Integrationsstunden sind quasi die „Listening comprehension" Komponente des Sprachunterrichts. Die Lehrerinnen wissen zudem, dass die GLS Teilnehmer auf den HSK Test hinarbeiten und werden im Unterricht auch eine Prüfungsvorbereitung abdecken. HSK heißt Hanyu Shuiping Kaoshi und ist international anerkannt als Nachweis von Chinesischkenntnissen, ähnlich dem TOEFL für English.

Aus meiner Sicht ist Zhengzhou ein idealer Ort, um Chinesisch zu lernen und das echte China zu erleben. Es muss wirklich nicht unbedingt Shanghai oder Peking sein.

An der No.9 High School of Zhengzhou gibt es sehr beeindruckende Fachunterrichtsräume und auch eine schöne Bibliothek, in der man sich in gemütlichen Sitzecken gut zum Selbststudium zurückziehen kann. Mich hat es sehr überrascht zu hören, dass die chineseischen Schüler sich quasi nie dort aufhalten, weil sie lieber im Klassenraum lernen oder wegen des langen Unterrichtstages (es gibt auch evening classes) keine Zeit haben, auch noch in die library zu gehen. Zudem hält nach chinesischer Ansicht eine so luxiriöse Umgebung eher vom Lernen ab. Aus diesem Grund sind auch die Wohnheimzimmer so karg. Es gilt das Motto: So wenig Ablenkung und Annehmlichkeit wie möglich, um sich der Hauptaufgabe widmen zu können, dem Lernen...
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am Montag den 12. September
am Montag den 12. September war hier das Mittsommerfest, ein Fest bei dem es um die Familie geht, und was sogar so groß gefeiert wird, das man hier einen Tag Schulfrei hat.
Ganz besonders an diesem Fest sind die Mooncakes, die es nur zu der Zeit um das Fest herum gibt.
Auf die Idee unserer Lehrerin (jin laoshi) sind wir dann am Freitag vorher losgegangen und haben Nachmittags selber Moonkaces gebacken.
mehr dazu später, weil es um 18:15 Essen gibt... und ich ausserdem noch keine Ahunung habe wie man Fotos in den kommentar einfügt...